Kapitel 8       Texten - weniger ist mehr
Ach, so kurz!
In der Kürze liegt die Würze
Textpersonen
Aller Anfang
Subtext
Nach dem Anfang ist vor dem Ende
Nur zehn Wörter pro Satz - und keine Fremdwörter!
Text erzählt
Die No-No-Liste
Das böse, böse "-ung-Wort"
Sinnlicher Text für "Garten der Sinne“
Ach,
so kurz!
Den meisten
Videoreportern wäre es wohl am liebsten, einen Film ganz ohne
Text laufen zu lassen. Denn wer schon einmal zu texten versucht hat,
stellt schnell fest: "Das ist ja viel schwieriger, als ich
gedacht habe ... !"
Stimmt. Einfach
ist es nicht, einen interessanten, erzählenden und zeitlich
passenden Text zu verfassen. In der letztgenannten Anforderung steckt
nämlich das grösste Problem. Wer sich vor seinen Monitor
setzt, den Film, im Pinnacle Menü "Filmkommentar
aufnehmen" startet und die rote Lampe für den Einsatz zur
Sprachaufnahme blinken sieht ,,3, 2, 1 ..."
erkennt schnell, dass die einzelnen ,,Takes" schrecklich kurz
sind. Viel zu kurz! Im Schnitt hat man sich noch diszipliniert, man
hat eventuelle Längen heraus gekürzt. Das "rächt"
sich nun. Denn jeder gewöhnliche Subjekt/ Prädikat/Objekt Satz,
den wir in Briefen, Mitteilungen oder Blogs schreiben, übersteigt
im Normalfall bei weitem die Länge eines Film Takes. Das
Ganze ist ein einfaches Rechenexempel: ein Film von etwa zwei Minuten
Länge, darin enthalten einige O-Töne, hat als Textzeit
etwa eine Minute und zehn Sekunden. Ziehen wir die Pausen vor und
nach den Umschnitten ab, dann reduziert sich der Textanteil auf eine
einzige Minute. Eine Minute Text! Das sind 15 Zeilen auf einem
DINA4 Blatt. Und darin sollen wir nun witzig formulieren, alles
erklären, zu den O-Tönen hin und wegführen
...
Keine Sorge, es
geht.
In
der Kürze liegt die Würze
Diese Übung
trainiert, kurz und trotzdem spannend zu erzählen.
Es hilft, sich von
Anfang an klar zu machen: Wer bin ich eigentlich, in welcher Rolle
will ich zum Zuschauer sprechen?
Man nennt das die
Definition der Textperson (Wer sich etwas für die theoretischen
Grundlagen und viele weitere gute Tipps interessiert, kann hier
fündig werden: Ordolff, Martin, Wachtel Stefan: Texten für
TV. Konstanz, 2009)
Übung
Stellen Sie sich vor, sie müssten Ihre
Erlebnisse der letzten vier Stunden
sowohl der schwerhörigen Oma in
Uelzen (möglichst noch am Telefon)
als auch dem vierjährigen Nachbars-
jungen von nebenan erzählen und
zwar in 30 Sekunden.
|
Beispiele: die
"normalste" Haltung ist die des erzählenden,
beschreibenden Reporters. Das sieht und hört man täglich im
Fernsehen, aber genau so ist man täglich genervt von mangelnder
Inspiration, Unverständnis. Ein gutes Beispiel dafür: viele
Nachrichtensendungen. Jeder kann das im Selbstversuch abends
feststellen: Wie viel habe ich von dem, was mir in dieser Sendung
Präsentiert wurde, verstanden? Und wie viel habe ich davon
behalten? Uns lassen die dort ausgestrahlten Filme häufig ratlos
zurück wir fragen uns, was die in dem Beitrag gezeigten
Menschen gerade tun, warum sie auftauchen und was uns die Autoren
eigentlich über sie berichten wollen. Wir wissen, dass sich
Redaktionen grundsätzlich darum bemühen, die Komplexität
der Beiträge zu reduzieren, und dafür die Verständlichkeit
der Texte, vor allem aber die der Bilder, zu erhöhen.
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Textpersonen
Vor dem Texten
also müssen wir uns klar darüber werden, welche Haltung wir
einnehmen, welche "Textperson" wir darstellen wollen.
Wichtig ist, die einmal gewählte Position konsequent
durchhalten!
Hier eine kleine
Auswahl:
Man kann zum
Beispiel eine erzählende Haltung einnehmen wie im Märchen.
Wenn ein Film mit: "Es war einmal..." beginnt, ruft er beim
Zuschauer eine sehr konkrete Erwartung im Hinblick auf den Erzählstil
hervor.
Sehr gerne wird
auch eine kritische Position eingenommen. Wenn sie durch das
Bildmaterial die O-Töne und insbesondere Interviews und
Fragen gestützt wird, kann eine solche Haltung zu ansehnlichen
Ergebnissen führen. Ist allerdings nur der Text in der "Kühle
der Redaktionsstube" kritisch verfasst, aber der Film belegt die
Kritik an keiner Stelle, dann wird die Absicht konterkariert
wir glauben dem Autor nicht. Wer sich also gerne "kritisch
gibt", sollte sich Fragen und Argumente, gespeist aus den
Rechercheergebnissen, zurechtlegen, die dann bei Interviews den
Partnern entgegengehalten werden können. "Kritische",
oder wie der Fachbegriff heisst, investigative Filme reihen ein
Argument ans andere, wie die Perlen auf der Schnur. Bilder, O-Töne,
und Textpassagen belegen Thesen, die dem Zuschauer nachvollziehbar
präsentiert werden.
Gerne eingenommen
wird auch die ironische Haltung. Wir wollen nicht davor warnen
aber es ist unbestritten, dass Ironie häufig nur vom Autor
verstanden wird, der Rest der Welt hingegen die Aussagen
fehlinterpretiert, oder zumindest rätselhaft findet. Wenn die
ironische Haltung gelingt, führt sie zu herrlichen Ergebnissen
solche Filme schaut man sich gerne mehrfach an.
Zum Beispiel den
Schrankenwärter am Bahnübergang von Gross Duengen
Video auf YouTube
Aller
Anfang ...
Nach all den
aufregenden Hindernissen, die man bis hierher mehr oder weniger
elegant und kreativ umschifft hat, kommt nun also der einsame Moment
des Textens. Man bereitet sich vor, schaut sich den Film, den man
schon fast auswendig kennt, noch einmal an und wartet auf die
Inspiration. Aber die Muse will einfach nicht küssen. Man
schreibt einen ersten Anfang hin, verwirft ihn wieder, einen zweiten,
einen dritten, verwirft alle und beginnt, das gesamte Projekt
insgeheim zu verwünschen.
Unser Trost: diese
Blockaden am Anfang der Textarbeit sind völlig normal.
Bis hierher hat
man sich um so vieles kümmern müssen: Fakten, Bilder, Töne,
Protagonisten. Von all dem muss man nun erst einmal Abstand nehmen.
Und durchatmen! Jetzt hilft ein Blick in die Unterlagen, die man sich
hoffentlich vom Drehort mitgenommen hat. Zum Beispiel alle Prospekte,
die herumlagen. Oder man wirft einen Blick ins Netz. Man beginnt mit
der Website des Drehpartners, recherchiert assoziativ bei Google oder
Wikipedia. Und schliesslich ist es äusserst hilfreich, einen
Blick in die eigenen Notizen zu werfen, also das Recherchebuch. Wir
haben nach dem Dreh, wie in dem entsprechenden Kapitel schon
beschrieben, die Kamera beiseitegelegt und eine Fülle von
Informationen erfragt, von denen wir glaubten, sie könnten
irgendwann nützlich sein. Also: Alter, Beruf, Ausbildung,
Werdegang der Menschen, mit denen wir zu tun hatten; natürlich
auch die emotionalen Fragen gestellt, wie zum Beispiel "Was war
für Sie das Überraschendste, das sie erlebt haben? Was hat
sie schon einmal richtig erfreut? Worüber haben Sie sich
geärgert?" Da kommen dann in den meisten Fällen die
persönlichen Antworten, die man noch am Drehen protokolliert
sonst vergisst man sie nämlich wieder! Sie sind Grundlage für
den Text.
Die grösste
Hürde beim Texten türmt sich auch deswegen am Anfang auf,
weit hier der Kammerton für den gesamten Beitrag vorgegeben
wird.
Wenn es dann
wirklich los geht, sollten alle vorformulierten Textangebote wieder
vom Tisch: Prospekte, Flyer, Pressetexte, deren gefällige
Formulierungen man nur allzu gerne übernimmt. Denn diese Texte
sind zum Lesen geschrieben. Wir brauchen aber Texte fürs Hören.
Mehr noch: Texte, die unsere Augen beim Verstehen der
Bilder/Sequenzen unterstützen.
Der beste Anfang
ist deshalb ... eine Pause. Lassen wir den Betrachtern ein paar
Sekunden Zeit, sich im Videobild zurechtzufinden. Ergänzen wir
zu Beginn diese Orientierung nur mit wenigen Begriffen, Halbsätzen
...
Denn wenn der
Zuschauer schon am Anfang des Videos erraten muss, wer das ist, den
er da sieht, und was dieser Mensch eigentlich tut - dann hat der
Videoreporter Sünde Nummer 1 begangen. Und dagegen hilft kein
Ablass. Der Rezipient hilft sich selbst und macht von dem Recht auf
sinnvolle Verwendung seiner Lebenszeit Gebrauch - er klickt weg.
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Subtext
Viele
Videoreporter retten sich aus dieser Situation mit einer reinen
Bildbeschreibung. In unseren Seminaren zum Thema "Wie mache ich
gutes Fernsehen?" lassen wir häufig Beiträge über
das Leben von Blinden herstellen. Überraschenderweise gibt es
nämlich eine grosse Anzahl von Hilfsmitteln für sie:
Brailleschrift auf der Computertastatur und an den Aufgängen zu
Bahnsteigen, Leitlinien auf Gehwegen, dreidimensionale
Übersichtstafeln ...
Diese Einstellung
findet sich deshalb zu Recht immer im Film:
Die blinde Grit
ertastet mit ihrem Stock die Leitlinien die sie vor der Kante des
Bahnsteigs und dem einfahrenden Zug warnen.
Eine typische
Bildbeschreibung wäre nun: "Die blinde Grit steht am
Bahnsteig und wartet auf den Zug!" Genau das sieht aber jeder.
Das ist also langweilig! Emotionslos! Dabei steckt in diesem Bild so
viel mehr! Ein spannender Subtext könnte demnach folgendermassen
lauten: "Angst! Sind das schon die Gleise? Sie darf keinen
Zentimeter zu weit gehen. Jede Reise ist für die blinde Grit die
Hölle..."
Der Subtext dockt
also am Bild an und erklärt es (" ...die blinde Grit...''),
er erzählt aber vor allem, was man nicht sieht, gibt
Informationen, die der Reporter recherchiert hat: „Jede Reise
ist für die blinde Grit die Hölle ...“.
Der
Aufmerksamkeitspfeil wird sozusagen in den Spannungsbogen eingelegt
und die Sehne gespannt. Man möchte jetzt wissen, ob und wie Grit
es schafft, ans Ziel zu kommen. Und deshalb bleibt man dran. Der
Anfang verspricht, gleich mehr darüber zu erfahren, wie Grit
ihre Schwierigkeiten meistert. Nach unserer Erfahrung "flutscht"
es viel leichter, wenn der Anfang geschrieben wurde. Die Textperson
steht fest, die ersten Sätze definieren den Stil des Textes und
transportieren Basisinformationen, die man benötigt, um in den
Film hineinzukommen.
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Nach
dem Anfang ist vor dem Ende
Hier ein paar
Tipps für das weitere Texten, nachdem man die ersten 20 Sekunden
geschafft hat:
Video-
/ Fernseh- / Film-Texte können auch als
"sprechbare Gedankenschritte" bezeichnet werden. Wenn man
sich beim Probelesen immer wieder an ein und derselben Stelle
verhaspelt, weil dort die Luft fehlt oder zu viele Substantive
aufeinander folgen, dann sollte der Text an dieser Stelle geändert
- eben sprechbar - werden. Im Text muss ein
Schritt auf den andere, folgen, so wie man auf einem Weg vorangeht.
Nur sollten es hier "Gedankenschritte" sein. Sprünge
sind mit Risiko verbunden wie im richtigen Leben. Denn jeder
Sprung beinhaltet die Gefahr, dass der Aufmerksamkeitsfaden reisst.
Wegklick oder Abschaltimpulse sind die Konsequenz. Wir
bezeichnen unsere Rezipienten gerne als scheue Rehe, die im frühen
Morgendunst auf einer Waldlichtung äsen und sich immer wieder
vergewissern, ob es nicht irgendwo besseres Gras gibt. Eine einzige
piekende Distel, etwas verdorbenes Kraut und schon hüpfen
die Rehe davon, auf der Suche nach neuen, interessanteren
Futterplätzen. Wir beschreiben hier etwas ironisch, was die
empirisch ermittelten Zahlen der Zuschauerforschung belegen:
Zuschauer sind unstet, schnell gelangweilt, gnadenlos im Wegzappen.
Gewissensfrage: Verhalten wir selbst uns anders?
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Nur
zehn Wörter pro Satz - und
keine Fremdwörter!
Um erst gar keinen
Fluchtimpuls des Zuschauers aufkommen zu lassen, schreiben wir einen
klaren Text mit kurzen, einfachen Sätzen, die bei einmaligem
Hören sofort und gut zu verstehen sind. Wir wissen, dass diese
Art zu texten mit den sonstigen Anforderungen an Schriftstücke,
die im Laufe eines Lebens verfasst werden, nichts zu tun hat: mit
Thesenpapieren, Beschlussvorlagen, Examensarbeiten ... Meist sollen
sie bedeutungsvoll sein, gescheit klingen und unsere Bildung belegen.
Nach diesem Muster einen Film / VideoText zu verfassen wäre
katastrophal! Denn: Bedeutungsträger ist in erster Linie das
Bild zu etwa 85 Prozent. Demzufolge bleiben nur 15 Prozent -
NEIN - nicht für den Text, sondern für alles, was wir
hören: Geräusche, Musik, O-Töne, Off-Töne,
Reportertext. Deshalb also muss der Text möglichst einfach und
sofort zu verstehen sein. Er sollte in origineller Umgangssprache
geschrieben sein, denn diese erfüllt am ehesten die oben
beschriebenen Voraussetzungen. Ein gutes Mittel, um zu überprüfen,
ob der Text diesen Anforderungen genügt, lautet: Wörter
zählen! Mehr als zehn in einem Satz sind zu viel! Oder: Kommas
zählen. Mehr als eins ist nicht erlaubt. Einschübe zwischen
zwei Kommas ergeben meist einen schönen neuen Satz.
Verwenden Sie
allerhöchstens eine einzige Zahl pro Filmminute. Und bitte nur
eine Zahl, die wirklich aussagekräftig ist. Wenn ein Platz 7350
Quadratmeter gross ist, kann sich kaum ein Zuschauer darunter etwas
vorstellen. "So gross wie ein Fussballfeld ..." beschreibt
es besser.
Schliesslich
sollte der Text versuchen, Spannung zu schaffen: "Ein ganz
normaler Bürotag für Schnakenforscher Dr. Müller
aber dieser Tag wird voller Überraschungen sein ...". So
lassen sich "Cliffhanger“ einbauen, die den Zuschauer
unseres Videos dranhalten, ihm signalisieren, bleib hier, da kommt
noch etwas, das für dich interessant sein wird. Dieses
Versprechen Muss natürlich auch eingelöst werden, sonst
verabschiedet sich der Zuschauer.
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Text
erzählt
Um einen guten
Text zu schreiben, benötigt man Verben, Verben, Verben.
Substantive sind Sprech- und Hörbremsen stehen in
Magisterarbeiten, Anwaltsschreiben und Bescheiden des Finanzamts.
Aber ein Hör-Text, der das Bild ergänzen soll, wird
immer auf Anhäufung von Substativen verzichten. Verben helfen zu
erzählen, sie schaffen Spannung und Sprachbilder. Wann immer ein
Substantiv durch ein Verb ersetzt werden kann, wird der Text deutlich
besser. (Hier könnte jetzt auch stehen: Eine Substantivierung
des Textes ergibt eine deutliche Verbesserung und Vereinfachung. Zu
den ganz besonders bösen "ung"-Worten kommen wir
gleich noch!) Ganz wichtig: keine grammatikalische Korrektheit
anstreben. Video-Texte sind nicht fürs Proseminar gedacht, sie
sind sozusagen flüchtiges Verbrauchsgut. Deshalb lesen sich
Filmkommentar Texte so merkwürdig denn fürs
Lesen sind sie nicht geschrieben. Sie entfalten ihre ganze "Pracht"
erst beim Hören.
Manchmal genügt
auch nur ein Wort oder ein kurzer Halbsatz:
"Angst! "
"Unmöglich" "Auch wenn's schwerfällt ... !"
"ob er's schafft?" Videoreportagen sollten Autoren die
Sprache benutzen, die ihnen vertraut ist und die auch im Alltagsleben
benutzt wird. Das schafft Glaubwürdigkeit.
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Die
No-No-Liste
Soweit das
Positive. Jetzt zur No-No-Liste. Benutzen Sie keine Fachwörter,
Fremdwörter, Abkürzungen, keine Wörter mit hohem
"Bedeutungsgehalt", weil man ihren Sinn beim einmaligen
Hören nicht schnell genug erfassen kann. Während der
Betrachter beginnt, über das Gesagte nachzudenken, läuft
der Film weiter, und der Faden geht verloren.
Verwenden Sie
Superlative bitte möglichst sparsam, ihre inflationäre
Benutzung macht den Film nicht dramatischer, sondern lächerlich.
Keine größten, schlimmsten, verheerendsten Unglücke,
kein Super-Gau. Keine abgedroschenen oder übertriebenen
Vergleiche: Schnee kam im Winter 2009/10 nur noch als "Katastrophe"
vor, Siege gibt's nur noch als "Erdrutsch", und die Polizei
riegelt schon seit langem "hermetisch" ab.
Das alles sind
Zugpferde, die noch in den Kinderschuhen stecken um wie Pilze aus dem
Boden zu schießen damit endlich Gras über die Sache
wächst. Will sagen: Schreiben Sie Ihre Texte so wie Ihr Schnabel
gewachsen ist: Geraderaus.
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Das
böse, böse „-ung-Wort“
Ein gutes
Erkennungsmerkmal für ein Tabu Wort im Film ist "-ung".
Wenn ein hässliches "ung"-Hauptwort wie etwa
Durchführung, Konsolidierung, Erneuerung auftaucht, ist die
Sprachkompetenz abgetaucht. In jedem "ung"-Wort steckt ein
Verb. Finden Sie es, benutzen Sie es oder suchen Sie nach einer
Alternative.
Fast jede
Redaktion, die wir kennen, hat im Sekretariat ein Phrasenschwein. Das
wird eifrig gefüllt, vor allem von "ung"-Wort-Benutzern.
Fünf Euro sind die Strafe für solche sprachlichen
Ausrutscher. Füllen Sie stattdessen doch lieber ein Sparschwein
für den Urlaub!
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Sinnlicher
Text für „Garten der Sinne“
Als Beispielfilm
dient uns, wie im Kapitel Dreh und Schnitt erklärt, der Besuch
einer Gruppe von Kindergärtnerinnen im Wiesbadener Schloss
Freudenberg. Nachdem der Film fertig geschnitten war, haben wir den
Text geschrieben, zunächst die Anmoderation, die zum Thema
hinführt. Das können bei einer Ausstrahlung oder Vorführung
die Worte des Moderators sein. Bei der Präsentation auf der
eigenen Website wäre dort eine Information zu lesen, worum es
geht und warum der Film entstanden ist. Die Anmoderation steuert die
Aufmerksamkeit des Zuschauers, sie ordnet ein, bevor der Film
beginnt. Ohne Anmoderation müsste der Film viel mehr erklären,
er müsste sozusagen "vollständiger" geschnitten
und getextet werden. Wir wissen, dass viele den Text schon im Kopf
haben, bevor sie zum Dreh fahren - wir halten das allerdings für
die komplett falsche Methode. Film hat zuallererst mit guten,
eindrucksvollen, einprägsamen Bildern und O-Tönen zu
tun, die Stimmungen und Gefühle und auch einige Informationen
transportieren können. Sagten wir schon, dass Video/Film zu
allererst ein emotioniales Medium ist? Vor dem Dreh sollten Sie
Informationen sammeln, aber sie noch nicht sofort zu einem "Filmtext"
verarbeiten. Das ist der falsche Weg, das führt zu abstrakten,
uninspirierten, langweiligen Videos. Die Stärke des Films ist
das Erleben und nicht das Referieren, Vortragen, Dozieren!
So sind wir auch
in unserem Beispielvideo vorgegangen.
Das
sprudelnde Wasser geschnitten als Datei in unserem Channel bei
YouTube:
Video auf YouTube