Juryseminar

23. Oktober 2009 in Meggen

Bericht von Willi Waser und Horst Hoffmann

Grossandrang im Hotel Kreuz. Die Organisatoren waren gefordert. 82 swiss.movies schnupperten Juryluft.

Es dauerte bis gegen halb elf, bis alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit Unterlagen und Verpflegungsbons ausgerüstet, vom Präsidenten Rolf Diehl begrüsst werden konnten.

Ernst Wicki begann mit dem Referat „Der Juror und das Jurysystem“. Er erklärte ausführlich die Aufgabe und das Verhalten des Jurors. Er wies auf einige wichtige Punkte hin, wie neutrales Verhalten und seine eigene Meinung äussern. Der Juror trägt hohe Verantwortung, indem er mit seiner Beurteilung dem Film sowie dem Autor gerecht wird. Besonders wichtig ist die Kommunikation. Die Autoren sind sehr sensibel, wenn ihre Filme von einer Jury beurteilt werden. Gut dran ist der Juror, welcher sich so äussert, wie er es selber von einem Juror hören möchte. Ob der Juror sich allerdings eine „Jurorensprache“ aneignen muss ist umstritten, vor allem im Amateurbereich.

Karl-Heinz Bach formuliert es richtig: Mit Anstand sachlich und konstruktiv.

Rolf Diehl thematisierte die Filmbeurteilung „aus dem Bauch“. Ob jemand im Kino oder auf dem Jurorenstuhl sitzt, beide äussern ihren ersten Eindruck gefühlsmässig, nämlich „aus dem Bauch. „Der Film hat mir gefallen, oder nicht gefallen, meine Erwartungen erfüllt, oder nicht erfüllt. Der Kinobesucher schaut sich Filme nach seinem Geschmack an, der Juror „muss“ auch Filme beurteilen, welche nicht seinen Wunschthemen entsprechen. Das ist sehr anspruchsvoll und bedingt Kompetenz, Fachwissen sowie Erfahrung. Hinzu kommt, dass er unmittelbar nach dem Film eine erste Beurteilung abgeben muss = A, B, C.

Anlässlich der zweiten Beurteilung in der Jurybesprechung, wird der Film dann gemeinsam diskutiert. Aussage, Bildgestaltung, Ton etc. Der Juror hat nun die Möglichkeit, seine erste Bewertung zu korrigieren, falls er dies als notwendig erachtet.

Einen Film zu analysieren ist sehr anspruchsvoll. Hat der Film ein Ziel? Wurde dieses erreicht? Filmaufbau, Spannung, Bildsprache etc. Im Beispielfilm „l’oeuf“ von Jean-Vital Jolliat konnte fast jede/r Teilnehmer/in die grosse Herausforderung spüren.

Nach dem zügig servierten, feinen Mittagessen ging es in die Praxis mit Gruppenarbeiten. 10 kleine Gruppen versuchten sich als „Juroren“, unter Anwendung des am Vormittag Gehörten und Gelernten. Vier Filme wurden gezeigt mit der Aufgabe für jeden Teilnehmer, alle vier Filme einzeln zu beurteilen: Auf den verteilten Juryblättern erfasste jeder „Juror“ die gesehenen positiven und negativen Punkte, sowie die Noten für die 1. und 2. Bewertung.

Darauf folgte die erste Bewertung (A,B,C,) „aus dem Bauch“, anschliessend wurde jeder Film auf der Basis der Notizen auf den Juryblättern gruppenweise besprochen. Die Ergebnisse wurden anschliessend von den Gruppensprechern formuliert. Die Jurysprache war hier von erfahrenen Juroren klar erkennbar. Ob diese jedoch von jedem Autor verstanden wird, fragten sich einige Teilnehmer.

Die zwischenzeitlich ausgewerteten 2. Bewertungen lösten bei manchen Teilnehmern Erstaunen und Überraschung aus. Nicht nur innerhalb der Gruppen, auch von Gruppe zu Gruppe waren die Ergebnisse sehr unterschiedlich. Karl-Heinz Bach hat es auf den Punkt gebracht: Üben, üben, üben.

Den engagierten Referenten Rolf Diehl, Ernst Wicki und Karl-Heinz Bach danke ich im Namen der Teilnehmer bestens für ihre grossartige Leistung.

Auch den organisierenden FILM- UND VIDEO-AUTOREN LUZERN mit Präsident Mario Voglsinger danken wir herzlich für das grosse Engagement.

Zitat eines Teilnehmers: „Ein interessanter, lehrreicher und vor allem nötiger Anlass“.



Ein Anlass vom Verband der Schweizerischen Amateurfilm- und Videoclubs swiss.movie

S t a r t s e i t e       Film- und Video-Autoren Luzern