
Die Technik der MontageEinleitungUnter "Montage" verstehen wir die eigentliche Herstellung eines Filmes. In der Tat ist es möglich, auch ohne Kamera einen Film herzustellen. Beispiele sind: Bei der Montage erhält der Film seine Aussage und einen Sinn. Sinn und Aussage können auch bei fertigen Filmen durch um-montieren total verändert und sogar verdreht werden, was bei politisch motivierten Zensurmassnahmen sehr praktisch ist. Die Montage ist somit der wichtigste und kreativste Teil der ganzen Filmerei. Die Erfahrungen aus der Montagetätigkeit fliessen wiederum in die Verbesserung der Kameraarbeit ein, wenn wir beispielsweise feststellen, auf wieviele nichtverwendbare Zooms und Schwenks man eigentlich verzichten könnte. Bitte sprechen sie nicht vom "Zusammenschneiden"! Bei diesem schaurigen Begriff könnte man zum Schluss kommen, dass es genügt, - wie bei einem struppigen Strauch -, alles Verdorrte abzuhauen, um zu einem ordentliches Resultat zu kommen. Im Folgenden beschreibe ich lediglich Methoden und Technik der Montage. Zur Ästhetik der Montage gibt es unzählige Stile und Vorlieben. Analysieren sie Filme von anderen Autoren oder studieren sie Bücher zum Thema Filmschnitt und Montage! 1.Schritt Die Sichtung der Original-Aufnahmen - Der RapportDieser Rapport mag aufwendig erscheinen, ist aber für die weitere rationelle Montage unerlässlich. Während dieser ersten Sichtung des Rohmaterials beginnt es im Filmerhirn bereits zu käsen, und es entstehen vage Vorstellungen, wie der fertige Film aussehen könnte. Hier noch ein Hinweis für die Faulen:
2. Schritt Der SchnittplanIn welcher Reihenfolge sollen nun die erforderlichen Filmteile aus dem Rapport zum fertigen Film zusammengefügt werden? Dies zeigt uns der Schnittplan!Ist der Film von Anfang an nach Drehbuch gestaltet, geht es lediglich um eine Fleissarbeit. Fehlt aber ein Drehbuch, wie es im Amateurfilm häufig ist, müssen wir uns fragen, welcher Art nun der fertige Film sein soll. Wirklich genial beim Videofilmen ist die Tatsache, dass wir aus dem gleichen Originalmaterial mehrere, ganz unterschiedliche Filme herstellen können. Grundregel zur Filmlänge: Eine einfache, geradlininige dramatische Struktur mit Anfang, Mittelteil und Schluss trägt einen Film über 10, maximal 20 Minuten. Dauert der Film länger, ist der Bogen überspannt und das Publikum langweilt sich. (Quellenangabe: Das Produktionshandbuch, Swiss Film and Video Producers 1998) Ein Kennzeichen, ob es sich um eine gerade oder "krumme" Erzählstuktur handelt sind die Überleitungen zwischen den Ereignissen. "Und dann ..." – "und dann ..." = geradlinig, "und weil ..." – "und weil ..." = verzweigte Struktur. Damit es einfach bleibt, bezieht sich folgendes hauptsächlich auf den klassischen Filmstil mit der Montage von Zeit und Raum, wie wir es uns gewohnt sind vom Hollywood-Erzähl-Kino. Zwischenfrage: Ist denn so ein Schnitt-Plan überhaupt wirklich notwendig? Antwort: Mehr oder weniger! Es hängt davon ab, welche Schnitt-Technik zur verfügung steht. Es gibt grundsätzlich zwei Schnitt-Techniken, nämlich den linearen sowie den nonlinearen Schnitt.
Diese Technik verlangt nach einer minutiösen Planung, weil es hier nicht möglich ist, nachträglich mittels Feinschnitt den ganzen Film zu kürzen (Beim DV-Recorder besteht immerhin die Möglichkeit durch mehrmaliges verlustfreies Umkopieren) . Daher ist eine gewisse Schnitt-Disziplin unumgänglich damit eine erträgliche Film-Länge resultiert.
Analog der bekannten Text- und Bildverarbeitung am PC kann ich mit simplen Mausklicks meinen Film montieren, begutachten, kürzen, ändern, vertonen, auf DVD brennen oder auf Band kopieren. Dazu benötige ich entweder einen geeigneten Computer mit einer Schnitt-Software oder ein sogenanntes "Stand-alone-Schnittgerät" (zB:"Casablanca"). Diese Technik erlaubt ein chaotisches, weniger planmässiges Vorgehen weil ja in jedem Bearbeitungsstadium jeder Fehler, falls er erkannt wird, ganz einfach korrigierbar ist. Fortsetzung Schnittplan folgt weiter unten Definitionen / Terminologie Die Elemente der Film-MontageMit Einstellung bezeichnen wir ein ohne Unterbrechung aufgenommenes Stück Film. Eine Einstellung aus dem Originalfilm können wir teilen, worauf wir mehrere Einstellungen erhalten. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch ein Stück "Nichtfilm" wie beispielsweise Schwarz als Einstellung gelten kann.Unter Schnitt verstehen wir den Übergang von einer Einstellung zu nächsten. Wir unterscheiden vom Prinzip her: - Harter Schnitt - Blende Beim harten Schnitt werden zwei Einstellungen, - wie der Name sagt -, hart aneinandergefügt. Dies ist der Normalfall, und es ist auch ohne weiteres möglich, einen ganzen Film auf diese Art zu montieren. Durch geschickte Auswahl von Ende und Anfang der zu verbindenden Einstellungen kann ich einen solchen technisch harten Schnitt sehr weich und sogar unsichtbar machen. (Schnitt in die Bewegung, Schnitt auf Ähnliches wie: Dampf auf Rauch, dunkle Fläche auf dunkle Fläche) Das Kennzeichen der Blende ist, dass der Anfang der folgenden Einstellung aus dem Ende der vorhergehenden erscheint, dh.: sie überlappen quasi. Bekannt sind Auf- und Abblenden, die klassische Überblendung, Schiebeblenden und ,- seit dem Aufkommen des Schnittcomputers-, unzählige mehr oder weniger sinnvolle Effekte. Als kleinster Teil einer Filmhandlung bezeichnen wir die Sequenz. In einer Sequenz sind einzelne Einstellungen in der Art zusammengefügt, dass ein Sinn oder eine Mini-Geschichte resultiert. Bewährt hat sich innerhalb einer Sequenz der harte Schnitt. Der allgemeine Begriff Szene bezeichnet eine Einheit der Erzählung. Eine Szene kann aus einer einzigen Einstellung oder aus einer Sequenz bestehen. Begriffs-EntwirrungWir sehen dass es also Begriffe gibt, welche, je nachdem wir über Kameratechnik oder Filmgestaltung sprechen, eine unterschiedliche Bedeutung haben.Einstellung = Kameraeinstellung wie: Brennweite, Blendeneinstellung, Hand / Automat, Kamerahöhe und Winkel > in der Aufnahmetechnik Einstellung = Element der Filmmontage > bei der Montage Blende = Irisblende (Formelzeichen f ), Sonnenblende, >in der Kameratechnik Blende = Abblende, Aufblende, Schiebeblende > bei der Montage Schnitt = beim chemischen Film (zB: Super-8) schneidet man den Filmstreifen mechanisch entzwei, mit der Schere. Anschliessend werden die passenden Filmstücke wieder zusammengefügt, geklebt. Schnitt = bei der Filmgestaltung, der Montage, sprechen wir aus Tradition immer noch vom Schnitt, auch vom Tonschnitt, trotzdem beim heutigen Video natürlich nicht mehr physisch geschnitten wird.
Schnitt = Art, wie der Film von der Ästhetik her montiert wurde. Nicht nur die Übergänge wie harter Schnitt oder Blenden, sondern auch die Länge der Einstellungen beeinflussen den Schnitt. Wenn wir über einen Film reden, können wir vom schnellen, hektischen, raffinierten, gemählichen oder rhytmischen Schnitt sprechen. Bei der Montage am PC taucht der Begriff Clip auf. Hier, bei der Filmbearbeitung am Computer ist es nicht üblich, das ganze Original-Video auf die Hard-Disk zu überspielen. Anhand von Rapport und Schnittplan kopieren wir nur diejenigen Abschnitte, welche für die geplante Montage voraussichtlich nötig sind. Diese Abschnitte nennt man Clips (clip = engl: aus-, ab-, beschneiden). Als Clip kann aber auch ein kurzgeschnittenes Videofilmchen bezeichnet werden wie beispielsweise ein Music-Clip oder ein Werbe-Clip. Fortsetzung zum 2. Schritt Weil heute in jedem Haushalt ein leistungsfähiger Computer steht, montiert kein Mensch mehr seine Videos nach der linearen Methode. Die Beschreibung des linearen Schnittplans habe ich deshalb gestrichen.Festzuhalten ist, dass sie um die Erstellung eines mehr oder weniger detaillierten Rapportes nicht herumkommen! Die nonlineare Montage.am Beispiel PC-Schnitt (non-linearer Schnitt)Technische Voraussetzungen und Einrichtungen:
Die Überspielsoftware nummeriert üblicherweise die Clips fortlaufend, beispielsweise: "Clip0001", "Clip0002" usw. Sie können die einzelnen Clips auch frei benennen, wie: "anna1", "fritzfischt", "sonnenuntergang12" usw. Wenn die einzelnen Ordner nicht zu umfangreich sind, können sie sich jedoch diese Arbeit sparen, da im Schnittprogramm die einzelnen Clips mit dem dargestellten ersten Bildchen identifiziert werden können. Oft kennt man diese Ordner unter dem Begriff; "Produktionsarchiv". Weil das Resultat sofort sichtbar ist, kommt fast automatisch die Freude und Experimentierlust an den unbegrenzten Möglichkeiten der Montage. 30.10.03 hagi       R: 4.1.07
S t a r t s e i t e         HOME       Film- und Video-Autoren Luzern Dein Videofilmclub in der Region Luzern       www.fvalu.ch |