Die Technik der Montage

    Einleitung

    Unter "Montage" verstehen wir die eigentliche Herstellung eines Filmes. In der Tat ist es möglich, auch ohne Kamera einen Film herzustellen. Beispiele sind:
  • sogenannte Kratzfilme, Zeichnungen werden direkt auf das 35mm Negativ gekratzt
  • Computerfilme entstehen mit Hilfe geeigneter Software
  • Collagen mit Hilfe von TV-Aufzeichnungen
  • "Found Footage"-Filme unter Verwendung von fremdem Filmmaterial


  • Bei der Montage erhält der Film seine Aussage und einen Sinn. Sinn und Aussage können auch bei fertigen Filmen durch um-montieren total verändert und sogar verdreht werden, was bei politisch motivierten Zensurmassnahmen sehr praktisch ist.
    Die Montage ist somit der wichtigste und kreativste Teil der ganzen Filmerei. Die Erfahrungen aus der Montagetätigkeit fliessen wiederum in die Verbesserung der Kameraarbeit ein, wenn wir beispielsweise feststellen, auf wieviele nichtverwendbare Zooms und Schwenks man eigentlich verzichten könnte.
    Bitte sprechen sie nicht vom "Zusammenschneiden"! Bei diesem schaurigen Begriff könnte man zum Schluss kommen, dass es genügt, - wie bei einem struppigen Strauch -, alles Verdorrte abzuhauen, um zu einem ordentliches Resultat zu kommen.
    Im Folgenden beschreibe ich lediglich Methoden und Technik der Montage. Zur Ästhetik der Montage gibt es unzählige Stile und Vorlieben. Analysieren sie Filme von anderen Autoren oder studieren sie Bücher zum Thema Filmschnitt und Montage!

    1.Schritt

    Die Sichtung der Original-Aufnahmen - Der Rapport

  • Originalfilm-Rapport-Formular vorbereiten. Minimal 3 Spalten:
    | Kassette-Nr.| Zählwerk--Stand Minuten : Sekunden | und Inhalt |
    oder besser: mit PC-Tabelle arbeiten. (zB. Excel, als generelle Datenbank für alle ihre Original-Kassetten)
  • Kamera mit TV-Gerät (Monitor) verbinden.
    Normalerweise Bild via S-Videokabel, Ton via Übergangskabel von Klinke 3,2mm nach 2x Cinch rot und weiss (Original-Kabel mit 3 Cinch-Stecker verwenden! sonst fehlt ev.ein Kanal)
  • Im Kamera-Menü, manchmal an Kamera-Fernbedienung Timecode-Anzeige für TV-Bildschirm einschalten.

  • Anschliessend die Originalbänder betrachten und gleichzeitig notieren wo, was, auf welcher Kassette aufgezeichnet ist. Je nach Routine braucht es ev. einen zweiten Durchlauf, mit den Angaben zu den wirklich benötigten und brauchbaren Bild- und Tonaufnahmen.


  • Dieser Rapport mag aufwendig erscheinen, ist aber für die weitere rationelle Montage unerlässlich.
    Während dieser ersten Sichtung des Rohmaterials beginnt es im Filmerhirn bereits zu käsen, und es entstehen vage Vorstellungen, wie der fertige Film aussehen könnte.

    Hier noch ein Hinweis für die Faulen:
    Achtung: Vorbereitung der DV-Bänder
    Das automatische Scannen funktioniert nur
    zuverlässig wenn der TimeCode ohne
    Unterbruch vorhanden ist. Wenn nach der
    Aufnahme im Camcorder das Abgefilmte
    rasch angeschaut und anschliessend nach
    einer Leerstelle weitergefilmt wird, startet
    der TimeCode wieder bei 00:00:00 .
    Abhilfe bringt quasi eine "Vorbelichtung"
    der DV-Bänder indem sie diese vorgängig
    unterbruchslos auf REC durch den
    Camcorder laufen lassen.
    >
    "Exsate DV Capture Live". In "Video Capture" von MediaStudioPro7 kann man vom DV-Band automatisch Clips erstellen. (Ich möchte jedoch auf meine "ewige" DV-Kassetten-Liste mit den Originalaufnahmen nicht verzichten. Der Aufwand ist gering und schnell habe ich später was wiedergefunden!)

    2. Schritt

    Der Schnittplan

    In welcher Reihenfolge sollen nun die erforderlichen Filmteile aus dem Rapport zum fertigen Film zusammengefügt werden? Dies zeigt uns der Schnittplan!
    Ist der Film von Anfang an nach Drehbuch gestaltet, geht es lediglich um eine Fleissarbeit. Fehlt aber ein Drehbuch, wie es im Amateurfilm häufig ist, müssen wir uns fragen, welcher Art nun der fertige Film sein soll.
  • chronologische Abfolge der Ereignisse?
  • nach Themen oder nach vorhandenem Kommentar geordnet?
  • poetische Form?
  • nach vorhandenem Musikstück?
  • welche Länge soll der Film haben?


  • Wirklich genial beim Videofilmen ist die Tatsache, dass wir aus dem gleichen Originalmaterial mehrere, ganz unterschiedliche Filme herstellen können.
    Grundregel zur Filmlänge: Eine einfache, geradlininige dramatische Struktur mit Anfang, Mittelteil und Schluss trägt einen Film über 10, maximal 20 Minuten. Dauert der Film länger, ist der Bogen überspannt und das Publikum langweilt sich. (Quellenangabe: Das Produktionshandbuch, Swiss Film and Video Producers 1998)
    Ein Kennzeichen, ob es sich um eine gerade oder "krumme" Erzählstuktur handelt sind die Überleitungen zwischen den Ereignissen. "Und dann ..." – "und dann ..." = geradlinig, "und weil ..." – "und weil ..." = verzweigte Struktur.
    Damit es einfach bleibt, bezieht sich folgendes hauptsächlich auf den klassischen Filmstil mit der Montage von Zeit und Raum, wie wir es uns gewohnt sind vom Hollywood-Erzähl-Kino.
    Zwischenfrage: Ist denn so ein Schnitt-Plan überhaupt wirklich notwendig? Antwort: Mehr oder weniger!
    Es hängt davon ab, welche Schnitt-Technik zur verfügung steht.
    Es gibt grundsätzlich zwei Schnitt-Techniken, nämlich den linearen sowie den nonlinearen Schnitt.

  • Beim linearen Schnitt überspiele ich Abschnitt nach Abschnitt hintereinander, in der richtigen Reihenfolge und Länge vom Original auf das Masterband (Assemble-Schnitt). Zudem besteht die Möglichkeit, nachträglich gewünschte Abschnitte mit zeitlich gleichlangen anderen Bild oder Ton-Abschnitten zu ersetzen (Insert-Schnitt).

  • Achtung: VHS-Recorder sind OUT!
    Die Zukunft liegt bei der DVD. Für
    die TV-Aufzeichnung heisst das
    System: Hard-Disk-Recorder
    kombiniert mit einem DVD-Brenner.
    Für einen ernsthaften Videoschnitt
    sind diese Geräte nicht geeignet.
    Zum hin und herspielen von und zur
    DV-Kamera ist eine ieee 1394-Buchse
    notwendig DV-in/out
    Dazu benötige ich neben den erforderlichen Verbindungskabeln lediglich meine Videokamera plus einen geeigneten Videorecorder (VHS, S-VHS, Video-8, Video-high-8, DV)
    Diese Technik verlangt nach einer minutiösen Planung, weil es hier nicht möglich ist, nachträglich mittels Feinschnitt den ganzen Film zu kürzen (Beim DV-Recorder besteht immerhin die Möglichkeit durch mehrmaliges verlustfreies Umkopieren) . Daher ist eine gewisse Schnitt-Disziplin unumgänglich damit eine erträgliche Film-Länge resultiert.

  • Der nonlineare Schnitt kann auch als virtueller Schnitt bezeichnet werden. Hier werden die erforderlichen Original-Film-Abschnitte in einem elektronischen Datenspeicher abgelegt. Mittels geeigneter Software wird mein ganzes Film-Projekt auf dem Bildschirm visualisiert.
  • virtueller Schnitt, System  Timeline 
 Ausschnitt von 10 Sekunden Analog der bekannten Text- und Bildverarbeitung am PC kann ich mit simplen Mausklicks meinen Film montieren, begutachten, kürzen, ändern, vertonen, auf DVD brennen oder auf Band kopieren.
    Dazu benötige ich entweder einen geeigneten Computer mit einer Schnitt-Software oder ein sogenanntes "Stand-alone-Schnittgerät" (zB:"Casablanca").
    Diese Technik erlaubt ein chaotisches, weniger planmässiges Vorgehen weil ja in jedem Bearbeitungsstadium jeder Fehler, falls er erkannt wird, ganz einfach korrigierbar ist.

    Fortsetzung Schnittplan folgt weiter unten


    Definitionen / Terminologie

    Die Elemente der Film-Montage

    Mit Einstellung bezeichnen wir ein ohne Unterbrechung aufgenommenes Stück Film. Eine Einstellung aus dem Originalfilm können wir teilen, worauf wir mehrere Einstellungen erhalten. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch ein Stück "Nichtfilm" wie beispielsweise Schwarz als Einstellung gelten kann.
    Unter Schnitt verstehen wir den Übergang von einer Einstellung zu nächsten. Wir unterscheiden vom Prinzip her:
    - Harter Schnitt
    - Blende
    Beim harten Schnitt werden zwei Einstellungen, - wie der Name sagt -, hart aneinandergefügt. Dies ist der Normalfall, und es ist auch ohne weiteres möglich, einen ganzen Film auf diese Art zu montieren. Durch geschickte Auswahl von Ende und Anfang der zu verbindenden Einstellungen kann ich einen solchen technisch harten Schnitt sehr weich und sogar unsichtbar machen. (Schnitt in die Bewegung, Schnitt auf Ähnliches wie: Dampf auf Rauch, dunkle Fläche auf dunkle Fläche)
    Das Kennzeichen der Blende ist, dass der Anfang der folgenden Einstellung aus dem Ende der vorhergehenden erscheint, dh.: sie überlappen quasi. Bekannt sind Auf- und Abblenden, die klassische Überblendung, Schiebeblenden und ,- seit dem Aufkommen des Schnittcomputers-, unzählige mehr oder weniger sinnvolle Effekte.
    Als kleinster Teil einer Filmhandlung bezeichnen wir die Sequenz. In einer Sequenz sind einzelne Einstellungen in der Art zusammengefügt, dass ein Sinn oder eine Mini-Geschichte resultiert. Bewährt hat sich innerhalb einer Sequenz der harte Schnitt.
    Der allgemeine Begriff Szene bezeichnet eine Einheit der Erzählung. Eine Szene kann aus einer einzigen Einstellung oder aus einer Sequenz bestehen.


    Begriffs-Entwirrung

    Wir sehen dass es also Begriffe gibt, welche, je nachdem wir über Kameratechnik oder Filmgestaltung sprechen, eine unterschiedliche Bedeutung haben.
    Einstellung = Kameraeinstellung wie: Brennweite, Blendeneinstellung, Hand / Automat, Kamerahöhe und Winkel > in der Aufnahmetechnik
    Einstellung = Element der Filmmontage > bei der Montage
    Blende = Irisblende (Formelzeichen f ), Sonnenblende, >in der Kameratechnik
    Blende = Abblende, Aufblende, Schiebeblende > bei der Montage
    Schnitt = beim chemischen Film (zB: Super-8) schneidet man den Filmstreifen mechanisch entzwei, mit der Schere. Anschliessend werden die passenden Filmstücke wieder zusammengefügt, geklebt.
    Schnitt = bei der Filmgestaltung, der Montage, sprechen wir aus Tradition immer noch vom Schnitt, auch vom Tonschnitt, trotzdem beim heutigen Video natürlich nicht mehr physisch geschnitten wird.
    Noch ein wichtiger Hinweis zum Schneiden:
    Was beim Tonschnitt mit dem Tonband noch
    möglich war, nämlich das Schneiden mit der
    Schere und Klebeband, sollten sie niemals
    beim Videoband
    versuchen. Es hätte
    katastrophale Folgen für das Band, das
    Laufwerk und die Videoköpfe!
    Der Schnitt passiert hier durch das Kopieren der ausgewählten Einstellungen vom Original auf das Masterband, oder kurz: das Master. Als Master bezeichnen wir diejenige letzte, vom Meister (das sind sie!) abgesegnete Version, welche zur Herstellung weiterer Kopien Verwendung findet.
    Schnitt = Art, wie der Film von der Ästhetik her montiert wurde. Nicht nur die Übergänge wie harter Schnitt oder Blenden, sondern auch die Länge der Einstellungen beeinflussen den Schnitt. Wenn wir über einen Film reden, können wir vom schnellen, hektischen, raffinierten, gemählichen oder rhytmischen Schnitt sprechen.
    Bei der Montage am PC taucht der Begriff Clip auf. Hier, bei der Filmbearbeitung am Computer ist es nicht üblich, das ganze Original-Video auf die Hard-Disk zu überspielen. Anhand von Rapport und Schnittplan kopieren wir nur diejenigen Abschnitte, welche für die geplante Montage voraussichtlich nötig sind. Diese Abschnitte nennt man Clips (clip = engl: aus-, ab-, beschneiden). Als Clip kann aber auch ein kurzgeschnittenes Videofilmchen bezeichnet werden wie beispielsweise ein Music-Clip oder ein Werbe-Clip.

    Fortsetzung zum 2. Schritt

    Weil heute in jedem Haushalt ein leistungsfähiger Computer steht, montiert kein Mensch mehr seine Videos nach der linearen Methode. Die Beschreibung des linearen Schnittplans habe ich deshalb gestrichen.

  • Die Lösung: nonlineare Schnitt-Technik
  • Dazu benötigen sie entweder einen geeigneten Computer mit einer Schnitt-Software oder ein sogenanntes "Stand-alone-Schnittgerät" (siehe Video-Schnittsysteme Hier klicken ) und natürlich die filmtheoretischen Kenntnisse über das Wesen der Montage. Wie schon erwähnt, erlaubt diese virtuelle Montage ein chaotisches, weniger papierplanmässiges Vorgehen, weil ja in jedem Bearbeitungsstadium jeder Fehler, falls er erkannt wird, ganz einfach am Bildschirm korrigierbar ist.
    Festzuhalten ist, dass sie um die Erstellung eines mehr oder weniger detaillierten Rapportes nicht herumkommen!


    Die nonlineare Montage.

    am Beispiel PC-Schnitt (non-linearer Schnitt)

    Technische Voraussetzungen und Einrichtungen:
    Bezeichnungen für den
    digitalen Videotransfer
    mittels Kabel zwischen
    PC und Camcorder:
    = i.Link
    = FireWire
    = IEEE 1394
  • Einen schnellen Prozessor (>1GHz)
    und entsprechenden Arbeitsspeicher (>256 MB RAM)
  • Schnelle (>8,5 ms)und grosse (>40 GB) Hard-Disk (besser: zwei!)
  • Motherboard oder Video-Capturecard mit IEEE1394 – Ein- Ausgang Steckbuchse IEEE 1394 6polig am PC
  • Vorausgesetzt ist ein moderner DV-Camcorder mehr: Welche Kamera?
    mit i.LINK (IEEE1394 FireWire)digital in/out.
    Achtung! DVD-Camcorder (Aufzeichnung auf DVD anstelle DV-Kassette) liefern dvd-typische VOB-Dateien, welche eine problemlose Weiterverarbeitung in den meisten Schnittprogrammen erheblich erschweren, wenn nicht sogar verunmöglichen!
  • Passendes IEEE1394-Kabel (normal: von 6 auf 4polig)
    Stecker IEEE 1394  6polig, pc-seitig Stecker IEEE 1394  4polig, kameraseitig
  • Software zum hin- und herspielen der Videoclips via IEEE 1394
  • Software für Videoschnitt
  • Für die Installation und die nötigen Einstellungen ist einige PC-Erfahrung oder kollegiale Unterstützung unbedingt notwendig!
    Lesen sie jedenfalls die zur Software gehörenden Handbücher und Textdateien mit Installationshinweisen genau durch!
  • Falls sie jetzt sofort einen Videoschnitt-Computer kaufen wollen, lesen sie unbedingt noch dies: Hier klicken klicken


    Ablauf der nonlinearen Montage beim PC-Schnitt

    Clip-Ordner
  • Aufteilung des ganzen Film-Projektes in überblickbare Einzelteile von ca. 2 Minuten.
  • Erstellung eines Dateiverzeichnisses mit je einem Ordner pro Einzelteil. (Siehe Beispiel: "Luzern")
  • Überspielen der voraussichtlich benötigten Clips vom Originalband in den entsprechenden Ordner.
  • Hinweis:
    Die Überspielsoftware nummeriert üblicherweise die Clips fortlaufend, beispielsweise: "Clip0001", "Clip0002" usw.
    Sie können die einzelnen Clips auch frei benennen, wie: "anna1", "fritzfischt", "sonnenuntergang12" usw.
    Wenn die einzelnen Ordner nicht zu umfangreich sind, können sie sich jedoch diese Arbeit sparen, da im Schnittprogramm die einzelnen Clips mit dem dargestellten ersten Bildchen identifiziert werden können. Oft kennt man diese Ordner unter dem Begriff; "Produktionsarchiv".

  • Montieren der Einzelteile (zB: zu Sequenzen, Sequenzgruppen oder zu Kurzfilmchen)

  • Als Beispiel das weitere Vorgehen bei einem einfachen Ferien-/Reisefilm:
  • Den fertig montierten "Kurzfilmchen" einen Attraktivitätsgrad zuordnen. Anschliessend ganzen Film so zusammenstellen, dass
  • 1. zuerst etwas Interessantes kommt, dann
  • 2. das, was man sonst noch zeigen wollte und
  • 3. am Schluss die ultimative Sensation mit dem Ende. (Angestrebte Zuschauerreaktion:"Schade, schon fertig!")
  • Verschiedene Variationen und Kombinationen ausprobieren!


  • Weil das Resultat sofort sichtbar ist, kommt fast automatisch die Freude und Experimentierlust an den unbegrenzten Möglichkeiten der Montage.

  • Teil-Projekte in der gefundenen Reihenfolge zum Gesamtprojekt zusammenfügen.
  • Titel, Feinschnitt und Vertonung fertigstellen.


  • 30.10.03 hagi       R: 4.1.07

    Links zur Montage und Videoschnitt

    Der Bildsprung
    Ermüdende Schnitte
    Der cut-in-action (Bewegungsschnitt)
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